Die Draisine, das erste Laufrad, das Karl Freiherr von Drais 1817 erfand, kam noch auf eisenbeschlagenen Holzspeichenrädern daher. Da die Wege zur damaligen Zeit noch recht uneben waren, muss die Fahrt ganz schön holprig gewesen sein. Später kam man auf die Idee, Vollgummireifen zu verwenden. Das führte schon zu einer leichten Dämpfung von Stößen und Schüttelbewegungen, war aber immer noch recht unbequem.

 

Mit dem luftgefüllten Reifen wurde das Radeln deutlich angenehmer. Das Luftpolster „schluckt“ einen Großteil der Unebenheiten. Hin und wieder führt es aber auch zum Verdruss. Gibt es einen Platten, so ist erst einmal Flicken angesagt. Als die Straßen noch nicht so gut ausgebaut waren, kam das häufiger vor. Ein Täschchen mit Pannenwerkzeug gehörte einst zur Grundausrüstung jeden Rades und die meisten Fahrer wußten auch souverän damit umzugehen.

 

„Unplattbar“, so und ähnlich wird uns heute suggeriert, dass der platte Reifen endgültig der Vergangenheit angehört. Zwar hat sich die Qualität in den letzten Jahren erheblich gebessert. Und durch innovative Tricks, wie beispielsweise eine zusätzliche Schutzbahn, die zwischen Reifen und Schlauch eingelegt wird, lassen sich manche Schäden besser abwenden. Andere schwören auf elastische Lösungen, die innerhalb des Schlauches zirkulieren und entstehende Lecks sofort von innen abdichten sollen. Glaubt man jedoch den Erfahrungsberichten in Fahrradforen, so ist das Ei des Kolumbus noch nicht wirklich gefunden. Trotz bester Prävention kann es dennoch unter ungünstigen Bedingungen zum Luftverlust kommen.

 

Neben den Beanspruchungen im Bereich der Lauffläche, ist ein Schlauch auch der ständig wechselnden Druckbelastung ausgesetzt. Schon eine Fahrt über den Kantstein kann den Reifen für einen kurzen Moment so stark in Richtung Felge drücken, dass der Schlauch überlastet wird. Ebenso ist die der Felge zugewandte Seite gefährdet, sofern das Felgenband verrutscht, das zwischen Schlauch und Felge sitzt. Die Speichenköpfe können dann am Schlauch scheuern und ihn auf Dauer beschädigen.

 

Heutige Fahrradreifen sind in zahlreichen Ausführungen erhältlich. Für jede Anwendung gibt es den optimalen Querschnitt und das passende Profil, sei es für das Fahren im Gelände, zum Trekking oder für besonders schnelles Fahren. Damit die Wirkung voll auf den Boden kommt, spielt bei manchen Reifen auch die vorgesehene Laufrichtung eine Rolle. Die empfohlene Rotationsrichtung ist auf der Seite durch einen Pfeil angegeben. Bei der Montage ist darauf achten, so einen Reifen in der richtigen Richtung auf die Felge zu ziehen.

 

Moderne Reifen verfügen häufig über ein kleines Extra, das man tagsüber leicht übersieht. Sie tragen nämlich auf der Seitenflanke einen dünnen weißen Strich. Der fällt bei Helligkeit kaum auf, erst in der Dunkelheit merkt man, wozu er dient: Es handelt sich nämlich um ein Reflektormaterial, das das Licht von Autoscheinwerfern zurückwirft, ähnlich wie die gelben Katzenaugen zwischen den Speichen. Die weißen Ringe erhöhen die Sichtbarkeit von der Seite erheblich und sorgen so für mehr Sicherheit.