Wer kennt noch Fahrradmarken wie „Wanderer“, „Torpedo“ oder „NSU“? Bei vielen sind sie längst in Vergessenheit geraten. Andere hingegen schätzen und pflegen diese alten Stücke um so mehr. Stolz trugen die damaligen Modelle ihr Markenzeichen wie eine Galionsfigur auf dem vorderen Schutzblech.

Klar, auf Schnickschnack, wie beispielsweise eine Gangschaltung, muss verzichtet werden, aber das gleichen die historischen Modelle durch eine weiche Übersetzung und einen langen Pedalhebel locker aus. Wer so einen Klassiker eine Weile gefahren hat, ist hinterher erstaunt, dass ihm eigentlich nichts gefehlt hat.

Viele der früheren Ausrüstungsgegenstände waren gar nicht so dumm. Beispielsweise die Kettenspanner, mit denen sich die Position des Hinterrades millimetergenau justieren ließ.

Die alten Ledersättel mit riesiger Sitzfläche sind auch heute noch an Bequemlichkeit durch keinen noch so modernen Gel-gepolsterten High-Tech-Sattel zu schlagen. Und wer so einen Ledersattel nach altem Vorbild heute noch kaufen möchte – es gibt sie vereinzelt wieder – muss mit gepfefferten Preisen rechnen.

Was heute durchgehend aus Kunststoffen gefertigt wird, war damals selbstverständlich aus Metall. Beispielsweise der Kettenschutz. Während heute gerne mal etwas abplatzt oder bröckelt, konnte man die damaligen Bleche ganz einfach wieder in Form biegen.

Auch die Gepäckträger konnten mehr vertragen, als heutige Modelle. Sie waren grundsätzlich so solide gebaut, dass ein Mitfahrer sicher darauf Platz nehmen konnte, was gerade in der Nachkriegszeit, als nicht jeder ein eigenes Fahrrad hatte, häufig praktiziert wurde. Heute sieht man derart handfeste Exemplare allenfalls noch bei der Post.

Oberstes Gebot bei der Konstruktion war damals die Robustheit. Und das merkt man bis heute: Man bekommt sie einfach nicht kaputt, die Historischen. Auf Unnötiges hat man verzichtet, aber alles, was ein Fahrrad braucht, war auch damals schon bekannt. Selbst die Lampengläser, ja sogar die Rückstrahler in den Pedalen, waren noch aus Glas. Und auch die  Werkzeugtasche war noch aus echtem Leder; Plastikzeug sucht man an einem original erhaltenen Exemplar vergeblich.

Nach und nach besinnt man sich auf die alten Tugenden. Retro-Modelle sind nämlich wieder sehr gefragt. Doch ein echtes historisches Exemplar ist auch durch beste Nachbauten kaum zu ersetzen.

Spezialwerkstätten bieten aus ihrem Fundus Originalersatzteile und restaurieren auf Wunsch. Auch viele Neuteile sind bewußt auf alte Fahrräder zugeschnitten. Und für Oldtimer-Fans gibt es hilfreiche Info-Seiten, in denen eine Menge Know-how zusammengetragen worden ist.