Was bedeutet der Begriff „Flyke“? Ganz einfach: Es handelt sich um eine Verbindung aus „Fly“ und „Bike“. Gemeint ist ein Fahrrad, das fliegen kann. Die Basis bildet ein dreirädriges Liegefahrrad. Sein Rahmen ist aus Aluminium gebaut, denn alles soll so wenig wie möglich wiegen. Das reine Gestell wiegt nur etwa 25 Kilogramm. Kombiniert wird das Ganze mit einem Gleitschirm, den der Pilot über zwei Zuggriffe rechts und links steuern kann. Für den Vortrieb sorgt ein Motor, oft ein Zweitakter, der hinter dem Fahrer montiert ist. Eine Leistung von etwa 30 PS reicht vollkommen aus. Er überträgt seine Kraft auf einen Propeller und sorgt so für den nötigen Schub.

Auf dem Weg zum Startplatz fährt das Flyke wie ein gewöhnliches Liegerad. Man tritt in die Pedale. Eine Mehrgang-Nabenschaltung erleichtert das Erklimmen von Steigungen. Das Gefährt ist sogar komfortabel gefedert, was am Ende eines Fluges auch für eine sanfte Landung sorgt. Der Gleitschirm ist zusammengelegt und in einem Rucksack verstaut, der nicht viel Platz braucht. Er passt hinter den Sitz. Der Motor bleibt am Boden ausgeschaltet. Auf dem Startplatz beginnt der interessantere Teil: Der Gleitschirm wird hinter dem Fahrrad ausgelegt und bildet einen weiten Bogen. Die Tragleinen werden mit vorbereiteten Karabinerhaken am Rahmen verankert. Damit der Pilot nicht aus seiner „Kanzel“ fällt, schnallt er sich mit einem Mehrpunktgurt in der Liegeschale fest.

Jetzt ist Geschicklichkeit gefragt. Der Pilot muss mit nur zwei Händen die beidseitigen Steuerleinen und auch den Gashebel unter Kontrolle haben. Zum Start muss der Motor kräftig aufgedreht werden. Mit beiden Händen wird der Schirm aufgezogen und bekommt nun eine ordentliche Brise vom Propeller, gleichzeitig bewegt sich das Flyke vorwärts. Der Schirm steigt über den Piloten. Mit Erfahrung und Geschicklichkeit gelingt es, die Motordrehzahl so anzupassen, dass der Schirm genau über dem Gerät bleibt, während das Flyke weiter beschleunigt wird und schließlich abhebt. Gleitschirm und Flyke müssen genau aufeinander abgestimmt sein, damit Gewicht, Motorkraft und Schirmeigenschaften gut zusammenpassen.

Ein fliegendes Fahrrad kann im Reiseflug Geschwindigkeiten von 60 Stundenkilometern erreichen. Schnell genug, um gut voran zu kommen. Andererseits moderat genug, um die Landschaft genießen zu können, die man überfliegt. Die Handhabung fällt deutlich leichter, wenn der Pilot bereits Erfahrung mit dem Gleitschirmfliegen ohne Flyke gesammelt hat. Um mit Motor fliegen zu dürfen braucht man eine Ultralight-Fluglizenz. Nach der Landung ist der Gleitschirm schnell zusammengelegt und verstaut. Als ganz normales Fahrrad kann man nun die nächste Tankstelle ansteuern und auftanken. Zur Vorsicht ist hinter der Kopfstütze noch ein Rettungsfallschirm angebracht. Sollte der Flug einmal instabil werden, kann man daran sicher zu Boden schweben.

Auch vor Gericht ist die seltsame Verbindung aus Fahrrad und Flugzeug schon Verhandlungsgegenstand gewesen. Das Landgericht Zwickau stand vor folgendem Problem: Ein fliegendes Fahrrad hat zwar einen Motor. Aber muss es deshalb wie ein Kraftrad versichert sein und ein entsprechendes Kennzeichen tragen? Der Motor wird nur beim Fliegen benutzt. Nimmt nun das Fahrrad als normales Liegefahrrad am Straßenverkehr teil, zum Beispiel auf dem Weg zum Startplatz, so ist der Motor zwar mit dabei, aber er ist nicht in Betrieb. Die Staatsanwaltschaft argumentierte nun, allein das Vorhandensein eines Motors führe schon auf dem Boden zur Versicherungspflicht. Das Gericht stellte jedoch fest, dass es sich um ein gewöhnliches Fahrrad handelt. Im Straßenverkehr sei der Motor nicht in Betrieb und deshalb als Gepäck zu betrachten.