Die gute alte Werkzeugtasche. Früher war sie ein selbstverständlicher Bestandteil fast jeden Rades. Entweder hing sie an der Hinterkante des Sattels oder sie war unter dem Sattel am Rahmen befestigt. Die ersten Exemplare waren, so wie damals die Sattel selbst, noch aus Leder und nahezu unverwüstlich. Und sie zeugten davon, dass ursprünglich fast jeder in der Lage war, nahezu alle anfallenden Wartungs- oder Reparaturarbeiten selbst zu erledigen. Bald waren Satteltaschen nur noch aus Kunststoff und als kaum noch jemand davon Gebrauch machte, wurden sie nach und nach ganz abgeschafft.

Zugegeben: Der Komplexitätsgrad so mancher Schaltung oder Bremsanlage ist heute so hoch, dass man kaum noch Chancen hat, selbst Hand anzulegen. Aber das Aufpumpen oder bei Bedarf auch das Flicken eines Reifens, sollte man schon beherrschen. Schon, um nicht bei einer längeren Tour mittendrin hilflos liegenzubleiben.

Offenbar verlassen sich aber immer mehr Radler bedingungslos auf den professionellen Service. So sehr, dass es bei der Versorgung sogar zu Engpässen kommen kann. So berichtete zum Beispiel das Hamburger Abendblatt am 26. April 2010 nach einem besonders langen, strengen Winter, unter der Überschrift „Langes Warten auf die Wartung“, dass Fachhändler mit Wartungsarbeiten vollkommen überlastet seien. Wartezeiten von zehn bis vierzehn Tagen wurden mancherorts als Minimum genannt. Bei den Aufträgen handelte es sich aber durchaus nicht nur um die Beseitigung von schweren Defekten, die zur Fahruntüchtigkeit geführt hatten. Viele Kunden haben sich routinemäßig daran gewöhnt, ihr Fahrrad im Frühjahr zu einer regelrechten Inspektion zu geben. Bequemlichkeit ist Trumpf; was für das Auto gut ist, kann dem Drahtesel auch nicht schaden.

Der Fachhandel hat sich darauf bereits eingestellt und umfangreiche Checklisten erarbeitet, die einer Autoinspektion kaum noch nachstehen. Außerdem gibt es bei manchen Betrieben analog zum KFZ-Gewerbe nun auch den Hol- und Bringservice und bei Bedarf sogar das Leihfahrrad für die Dauer der Reparatur.

Dabei sollte Otto Normalverbraucher eigentlich selbst in der Lage sein, einen Reifen wieder voll aufzupumpen oder eine quietschende Kette zu ölen.

Ein auf das jeweilige Modell abgestimmtes Set an Basiswerkzeugen sollte zur Hand sein, bei längeren Touren möglichst auch unterwegs. Und für fast jedes Montageproblem findet man im Web die passende Anleitung. Wer Schritt für Schritt lernen möchte, wie es geht, findet sogar regelrechte Reparatur-Kursangebote. Manche haben ihre Arbeiten sogar im Film festgehalten, beispielsweise das richtige Flicken eines platten Reifens. Nach nur vier Minuten, weiß man Bescheid.

Wer sich auf diese Weise schlau macht, findet viele Insider-Tipps und kann sich in den meisten Fällen selbst helfen. Und für Ehrgeizige gibt es sogar die Möglichkeit, an Fahrrad-Reparatur-Seminaren teilzunehmen.

Gute Fahrt!