„Klingeling!“, „Ding-Dong“ oder einfach nur ein dezentes „Ping!“. Der Sound der Klingel ist Geschmacksache. Und kaum jemand schenkt ihr allzuviel Beachtung. Meist wird das standardmäßig mitgelieferte Modell ein Fahrrad-Leben lang am Lenker gelassen. Auch dann, wenn mit der übrigen Ausrüstung einiger Optimierungsaufwand getrieben wird, fristet die Klingel  meist ein Schattendasein. Dabei ist ihr Vorhandensein sogar von der Straßenverkehrsordnung offiziell vorgeschrieben.

 

Wie sieht es in so einer Fahrradklingel eigentlich aus? Bei vielen Modellen kann man die Kappe abschrauben und einen Blick ins Läutwerk werfen. Über ein Zahnradgetriebe wird ein rotierender oder schwingender Klöppel aktiviert, der von innen an die Glockenkuppel anschlägt. Während der Klingelknopf gedrückt wird, wird eine Zugfeder gespannt, die den Klöppel anschließend wieder in seine Ruhelage zurückzieht. Die dabei entstehende Rotation erzeugt nochmals den Klingelton. Werden zwei gegenüberliegende Kuppeln nacheinander angeschlagen, so ergibt das den „Ding-Dong!“-Zweiklang.

 

Beim Betrachten dieser fein aufgebauten Mechanik versteht man, warum die Klingel hin und wieder etwas Pflege braucht. Im Klingelgehäuse sammelt sich gerne Feuchtigkeit, was unbemerkt zu Rost führen kann. Deshalb sollte man dem Klingelgetriebe gelegentlich etwas Öl gönnen. Dazu muss die Klingel nicht einmal geöffnet werden. Etwas Sprühöl, das mit einem Röhrchen durch die Öffnung des Klingelknopfes ins Innere geblasen wird, um sich dort selbst zu verteilen,  reicht vollkommen. Bei der Gelegenheit sollte auch geprüft werden, ob die Achse, die die Glockenkuppel trägt, noch genau mittig sitzt. Verbiegt sie sich – zum Beispiel durch einen Sturz – geringfügig, so kann die Gängigkeit der Klingel beeinträchtigt sein.

 

Früher waren Fahrradklingeln grundsätzlich komplett aus Metall gefertigt. Heute ist der Grundträger, der am Lenker verschraubt wird, vielfach aus Kunststoff. Die eigentliche Glockenkuppel ist, um der Resonanz willen, jedoch stets aus Metall. Alte Klingeln wurden auf der Oberseite häufig mit Warenzeichen des Fahrradherstellers oder -händlers, oft auch mit Wappen liebevoll geschmückt. Einige historische Exemplare sind durchaus sammelnswert.

 

Für Rennräder gibt es spezielle Klingeln, bei denen der Resonanzkörper aus Leichtmetall ist. Auf ein Rotationsgetriebe für den Klöppel wird verzichtet. Er schlägt von außen nur einmalig mit einem kurzen „Ping!“ an. Diese Bauweise soll Gewicht sparen helfen, denn bei Profis kommt es auf jedes einzelne Gramm an.

 

Neben der weit verbreiteten Lenkerklingel gibt es die Sturmklingel. Sie wird, ähnlich wie der Dynamo, neben dem Vorderrad befestigt und kann durch einen Seilzug an den Reifen geschwenkt werden. Dieser dreht dann das oben angebrachte Schwungrad, das wiederum den Klöppel in Rotation versetzt. Deshalb wird dieser Typ auch als Radlaufglocke bezeichnet. Aufgrund der hohen Kraft, mit der der Reifen das Schwungrad bewegt, kann dieser Typ eine enorme Lautstärke erreichen. Deshalb dürfen Sturmklingeln im Straßenverkehr nicht benutzt werden.