Im Gegensatz zur Nabenschaltung, bei der das Schaltgetriebe innerhalb der Hinterradnabe untergebracht ist, liegen bei der Kettenschaltung alle Zahnräder des Getriebes frei. Man kann beim Schaltvorgang das Umspringen der Kette von einem Zahnrad auf das nächste mitverfolgen. Das erfordert zunächst einmal eine erhöhte Vorsicht. Denn je offener die Zahnräder und die Antriebskette liegen, um so leichter verfängt man sich mit der Hose darin.

 

Genau genommen bestehen die meisten Kettenschaltungen aus zwei unabhängigen Schaltungen, nämlich je eine vorn und hinten. Dabei hat man zunächst die Wahl zwischen verschiedenen Übersetzungen am Tretlager. Am Hinterrad befindet sich dann eine weitere Auswahl an Zahnrädern, Fachleute sprechen von einem „Ritzelpaket“. Mit zwei getrennten Schalthebeln am Lenker kann man sowohl vorn, als auch hinten den passenden Zahnkranz auswählen.  Es wird dabei empfohlen, die vorderen und hinteren Gänge so zu kombinieren, dass die Kette möglichst gerade läuft. Das bedeutet: Wird vorn das außen liegende Zahnrad gewählt, so sollte man möglichst auch hinten die außen liegenden Zahnräder damit kombinieren und umgekehrt. Schaltkombinationen, bei denen die Kette zwischen dem Innen- und Außenbereich sehr schräg läuft, sollten vermieden werden, denn das erhöht den Verschleiß.

 

Im Gegensatz zur Nabenschaltung, die am besten rollend geschaltet wird, sollte die Kettenschaltung nur beim Treten bedient werden, denn nur während die Kette sich vorwärts bewegt, ist sie in der Lage, von einem Zahnrad auf das Danebenliegende zu springen. Die Antriebskette ist deutlich länger als bei einer Nabenschaltung, um auch auf den jeweils größten Zahnrädern laufen zu können und muss, angesichts der wechselnden Übersetzungen, ständig auf Spannung gehalten werden. Das besorgt ein Kettenspanner.

 

Die Anzahl der Gänge ist abhängig von der Bestückung mit Zahnrädern. Ein Beispiel: Verfügt man vorn über drei, hinten über weitere sieben Übersetzungen, so ergeben sich stattliche 21 Schaltmöglichkeiten. Damit kommt man fast jeden Berg hinauf, beziehungsweise hinunter. Theoretisch ist es sogar möglich, eine Kettenschaltung mit einer zusätzlichen Nabenschaltung zu kombinieren. In der Praxis kommt das aber eher selten vor.

 

Abgesehen von Ausnahmen, verfügen Kettenschaltungen in der Regel über keine Rücktrittbremse. Statt dessen steht dem Fahrer vorne und hinten je eine Felgenbremse zur Verfügung. Wer den klassischen Rücktritt gewohnt ist, braucht eine Weile zur Umgewöhnung und sollte zunächst entsprechend vorsichtig fahren. Da die Bauteile der Kettenschaltung außen liegen, ist sie wartungsanfälliger als die Nabenschaltung. Die einzelnen Komponenten können leicht verschmutzen, da an den Schmierstoffen leicht Partikel anhaften. Zur Pflege sollten daher alle beweglichen Teile von Zeit zu Zeit gereinigt werden.

 

Kettenschaltungen waren bis in die Achtziger Jahre weitgehend dem Rennsport vorbehalten. Da sie kontinuierlich optimiert worden sind, ist die Handhabung nun auch für normale Stadt- und Tourenfahrräder unkomplizierter geworden. Mittlerweile wird die Kettenschaltung bei Neufahrrädern am häufigsten verwendet.