Fahrräder aus Bambus, das wirkt auf den ersten Blick doch etwas skurril. Kann so etwas überhaupt halten oder bricht so ein „Bambusesel“ schon in der ersten Kurve auseinander? Wenn man einmal chinesische Baustellen ansieht, wird man schnell eines Besseren belehrt: Ganze Baugerüste werden hier traditionell aus Bambus gebaut, auch für höchste Gebäude-Konstruktionen vertraut man diesem Material. Es muss also etwas dran sein, an der sprichwörtlichen Unverwüstlichkeit der Bambus-Stangen.

Allerdings braucht es viel Erfahrung, um für einen Fahrradrahmen genau die richtigen Stäbe zu erwischen und diese so zu verbinden, dass ein stabiles Ganzes entsteht. Die Statik muss stimmen. Erwischt man die falschen Zutaten, so wird das Ergebnis zu biegsam oder der Rahmen kann bei starker Beanspruchung sogar brechen. Ein wenig Know-how gehört also schon dazu, wenn man ein gutes Bambus-Bike bauen will. Der Amerikaner Craig Calfee hat schon vor 15 Jahren begonnen, mit Bambus zu experimentieren und kennt mittlerweile die wichtigsten Tricks. Eigentlich hatte er nur ein Ausstellungsstück bauen wollen, um Kunden auf seinen Messestand aufmerksam zu machen. Mit der Zeit ist dann doch mehr daraus geworden.

An sich sind Bambus-Fahrräder ein alter Hut. Schon Richard Pearse, ein Landwirt und Tüftler aus Neuseeland, der vor allem als Luftfahrtpionier und Flugmaschinen-Konstrukteur in die Geschichte eingegangen ist, erhielt 1902 ein Patent für ein Bambusfahrrad mit Pedalantrieb, Rücktritt-Felgenbremse und Stangenschaltung. Seine Idee wurde damals nicht zur Serienreife weiter entwickelt.

Die Vorteile von Bambus liegen auf der Hand. Es handelt sich um einen nachwachsenden Rohstoff. Er ist leicht, stabil und rostet nicht. Die Pflanzen wachsen zunächst grasartig, können sehr hoch werden und viele Bambusarten verholzen, je höher sie werden. Ein ideales Baumaterial also. Und sollte ein Bambusfahrrad einmal nicht mehr gebraucht werden, dann kann es sich auf dem Kompost ganz natürlich zersetzen. Während des Wachstums verlangt Bambus keine umfangreiche Agrarbewirtschaftung. Er wächst schnell und Schädlinge können ihm kaum etwas anhaben. Pestizide sind nicht erforderlich. Dazu sieht Bambus auch noch gut aus, ihren vollen Reiz entfalten die Rahmen, wenn man ihre natürliche Herkunft noch deutlich sehen kann. Calfee hat dazu ein Verfahren entwickelt, um den Rahmen mit einer Epoxy-getränkten Hanffaser zu ummanteln. Eine Hitzebehandlung sorgt dafür, dass die Bambusstäbe sich nicht mehr verziehen. Auf diese Weise sind hochfeste, leichte Rahmen möglich, sogar für Rennräder und Mountainbikes, die einiges aushalten müssen. Die natürliche Elastizität bleibt erhalten. Deshalb kann ein guter Bambusrahmen Stöße oft besser abfedern, als so mancher konventionelle Stahl- oder Alurahmen.

Das Interessante: Der Bau von Bambus-Bikes ist vor allem eine Sache des Könnens. Nicht so sehr eine Frage eines umfangreichen Maschinenparks. Das eröffnet die Chance, die Produktion dorthin zu verlagern, wo geeigneter Bambus in großen Mengen wächst. Viele Entwicklungs- und Schwellenländer sind dafür geeignet, sich auf diese Weise eine eigene kleine Industrie aufzubauen, die die Umwelt kaum belastet. Als geeignete Standorte kommen die Philippinen sowie etliche afrikanische Staaten in Betracht, darunter Sambia und Uganda. In Ghana werden bereits Bambusräder gefertigt.

Die Preise für Bambus-Bikes liegen im Bereich zwischen 300 und 1.500 Euro. Da die Rahmenmontage größtenteils in Handarbeit vorgenommen wird, sind auch individuelle Designs möglich